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Negativbeispiel: Kein Raus mit Rollstuhl aus der Bahn in Dernau (Rheinland-Pfalz)

Der Wunsch

Am Wochenende einen Ausflug machen. Ins Grüne fahren. Wandern. Rückreise mit der Bahn.

Das möchte der Webentwickler und Inklusionsaktivist Christian Bayerlein (@freiherz), der mit Rollstuhl unterwegs ist.

Da spontanes, barrierefreies Reisen mit der Bahn auch im zweiten Jahrtausend nicht so eben möglich ist, bereitet er sich auf den Ausflug vor.

Die Vorbereitung

Check ob Bahnhöfe in Dernau und Bad Neuenahrbarrierefrei zugänglich sind. Check erfolgreich: beide rollstuhlzugänglich. 

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”

Check ob Zug mit Fahrzeuggebundener Einstiegshilfe fährt: Check erfolgreich.

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”
Bahn.de zeigt an: Zug mit “Fahrzeuggebundener Einstiegshilfe vorhanden”

Los geht’s! (Mit dem Auto nach Dernau, dann nach Bad Neuenahr gewandert. Von dort abends gegen 22:00 Uhr zurück, aber…)

Die Überraschung

Der Zugang in Bad Neuenahr kein Problem, aaaaber: in Dernau kein Ausstieg, denn die Rampe sei zu steil (mehr als 6%) für den tief liegenden Bahnsteig. 

Die Bahn stellt sich quer. Christian Bayerlin darf – auch auf eigene Verantwortung hin – nicht in Dernau aussteigen und die Rampe nutzen, obwohl er ähnliche Steigung mit seinem Rollstuhl schon erfolgreich gemeistert hat. Als Begründung wird Versicherungsgefahr genannt.

Christian Bayerlein beschwert sich bei der Bahn.

 

Die Antwort

Die Bahn sagt, dass die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe für die in Dernau vorhandene Bahnsteighöhe nicht zugelassen ist. 

 

What?! 

Sowohl Bahnhof, als auch Zug mit Einstiegshilfe wird als barrierefrei ausgeben (vgl. “Vorbereitung”). Und dann eine solche negative Überraschung? Wir finden: Das ist mindestens irreführend!

 

 Die Bahn empfiehlt

Anruf bei der Mobilitätsservice-Zentrale. Die informieren dann darüber, dass die Rampe in Dernau nicht zum Einsatz kommen kann.

 

Die Forderung 

  1. Barrierefreie Bahn – Wenn ein Zug über eine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe verfügt, dann bedeutet es, dass ein Reisender mit Rollstuhl / Mobilitätseinschränkung an jeder angefahrenen Haltestelle aussteigen kann. (Für den Fall, dass die fahrzeugeigene Rampe nicht passt, muss eine passende mitgeführt werden).

  2. Klare Kommunikation – Der nicht barrierefreie Ausstieg am Bahnhof in Dernau ist mehr als bedauerlich. Nicht hinzunehmen ist, dass diese Information nur am Telefon verfügbar ist, aber nicht entsprechend gekennzeichnet wird auf bahn.de. Diese Info gehört da hin und muss auf bahn.de in unmittelbarer Nähe des Bahnhof veröffentlicht sein. 

„Bereits verplant“ – Kein Ausstieg für Rollis

 

Reisende mit Mobilitätseinschränkung (z.B. Rollstuhlnutzende)  beschweren sich vermehrt über die schlechte Ausstiegssituation am Berliner Hauptbahnhof.

Rollis werden aufgrund von nicht verfügbaren oder bereits verplanten Personal nicht aus den Zügen geholt. Teilweise über einen Zeitraum von mehreren Tagen. 

O-Ton Deutsche Bahn: Vom 16.05 bis einschließlich 20.05.2019 ist das Personal auf dem Berliner Hbf bereits verplant.

Wir listen auf, wann am Berliner Hauptbahnhof das Personal nicht einsatzbereit war für eine angeforderte Mobilitätshilfe und wen es bisher getroffen hat: 

  • Mai 2019: Die Bloggerin und Mutter Ju Hahn konnte über mehrere Tage den Berliner Hauptbahnhof nicht anreisen, musste schließlich fliegen. Mehr: Das Internet macht Wunder möglich

  • Juni 2019: Der Inklusionsaktivist und Bundesverdienstkreuzträger Raul Krauthausen konnte nicht wie geplant am Berliner Hbf umsteigen und wurde nach den  Spandau umgeleitet, einen Umweg von etwa einer halben Stunde pro Strecke (laut Plan). RBB berichtete.

Unser kurzfristiges Ziel ist es, dass umgehend Abhilfe geschaffen wird (z.B. durch mehr Personal oder durch einen erweiterten Personenkreis, die die Hublifte bedienen können). Das eigentliche Ziel ist es, den Mangel an Barrierefreiheit („Weg mit Stufen vor den Zügen“) zu beseitigen. Dafür – so unser Kenntnisstand – gibt es von der Bahn noch nicht einmal einen Fahrplan!

Deswegen ist es so wichtig, Druck zu machen für deutlich mehr Barrierefreiheit und selbst aktiv zu werden.

Kein Ausstieg in Berlin HBF! Stufen und kein Personal – Video auf RBB

„Wenn Rollstuhlfahrer gezwungen sind, in Spandau auszusteigen. Mobilitätsservice der Bahn überlastet.“ Quelle RBB (Video nicht mehr verfügbar)

Kiel – London // DB diskriminiert grenzüberschreitend

 

Folgender Bericht erschien von „Kieler Barriereblick“ auf Facebook: 

 

DB AG und Rollifahrerin
Ärger pur mit Londontour!

Meine Kinder und ich, ich rollstuhlpflichtig, haben uns überlegt, in der zweiten Juliwoche die Hauptstadt des Vereinten Königreichs für einige Tage besuchen zu wollen. Vor dem Hintergrund einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu wollen, haben wir uns entschlossen, Bahn zu fahren. Gesagt, getan?

Anfang Juni, fünf Wochen vor der geplanten Reise, habe ich sodann das Reisezentrum der DB AG in Kiel aufgesucht, um für mich und meine Kinder entsprechende Fahrausweise zu erwerben sowie den Mobilitätsservice zeitgerecht anzumelden. Gerne hätte ich dies online getan. Doch wenn schon das Anmelden des Mobilitätsservices innerhalb Deutschlands digital eine umständliche und zeitraubende Prozedur ist, so ist es im internationalen Bahnverkehr schlicht nicht möglich. Sei es drum. Es ist wie es ist.

Freudig teilt mir sodann Bahnmitarbeiterin mit, dass wir – pro Person – mit einer Bahncard 50% für 158,30 Euro, also insgesamt für 474,90 Euro würden hin und zurück reisen können. Das als einen fairen Preis empfindend, bat ich sie darauf hin, drei Tickets für uns zu buchen sowie den erforderlichen Mobilitätsservice anzumelden. Frohen Mutes machte sich die Reiseverkehrskauffrau ans Werk (…)

2 Stunden und 38 Minuten später stand fest: Uns – weil ich Rollifahrerin bin – würde die Reise nicht 474,70 Euro, sondern mit 860,00 Euro nahezu das doppelte kosten.

Was war geschehen? Ganz einfach: Tagsüber war entweder kein Rolliplatz verfügbar oder dem Mobilitätsservice waren die Umsteigezeiten von 10 Minuten in Hannover zu kurz. Dies bedeutete unweigerlich, dass eine Reisunterbrechung anstand.

Nicht schlimm, dass sind Rollifahrer*innen durchaus gewohnt. Doch die Nachricht, dass ich aufgrund der Reiseunterbrechung – wohl gemerkt, wider Willen (!) – nicht mehr würde die Sparpreise in Anspruch nehmen können, die hat mich dann doch verärgert.

Doch ärgern – will man als Rollifahrer*in reisen – nützt nichts. Kurzum entschloss ich mich in den späten Abendstunden und nachts zu fahren, weil dort zumindest noch Rollipätze verfügbar und die Umsteigezeiten ein wenig komfortabler waren. Doch dann, kaum zu glauben, die ernüchternde Botschaft der Bahnmitarbeiterin, dass es in den Nachtstunden keinen Mobilitätsservice gibt. Genau! Nun war klar, warum die Rolliplätze noch verfügbar waren.

Übrigens: Meine Kinder alleine würden nach wie vor problemlos für jeweils 158,30 hin und zurück gekommen. Ich, wäre ich Fußgängerin, natürlich auch. Bin ich aber nicht. Leider! Doch was ich bin ist Steuerzahlerin, die gleichsam wie alle steuerzahlenden Fußgänger*innen, die privatwirtschaftlich organisierte, sich jedoch mehrheitlich im Staatseigentum befindliche DB AG mitfinanziert. Nur Reisen kann ich nicht wie die steuerzahlenden Fußgängerinnen und Fußgängern auf deren Gleisen …

Bitte nicht nur lesen und verwundert verweilen, bitte so viel es geht auch teilen!

KVV Chef setzt sich in den Rollstuhl

Den Perspektivwechsel üben. Mal erleben, wie es so ist, das eigene Verkehrssystem mit dem Rollstuhl zu nutzen. Das machte der KVV Chef Alexander Pischon – um ein „Gefühl dafür zu bekommen, welche Herausforderungen es für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste gibt“. Quelle KVV

Wir finden: Das Beispiel sollte Schule machen. Daumen hoch!