• Home
  • Autor: Bahn-Admin

Im S-H Magazin (Fernsehen)

Das Schleswig-Holstein Magazin berichtet mit einem Fernsehbeitrag (etwa zwei Minuten).

Zuvor hatte sich am Morgen der Wirtschaftsausschuss mit den neuen Barrierezügen von Stadler – siehe Verrampte Züge beschäftigt. Mit dabei auch Minister Buchholz.

Kein einfacher Termin für alle Beteiligten. Die Verträge sind unterzeichnet, doch die ab 2022 eingesetzten Zügen sind in vielerlei Hinsicht nicht barrierefrei (Artikel vom Sozialverband-SH). So kann der Einstieg für Rolli- und Rollatornutzende meist nur mit fremder Hilfe erfolgen. Und auch der Wendekreis ist zu klein geraten. 

Klare Aussage vom Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Prof. Dr. Ulrich Hase. Er sagt: Die einzige saubere Lösung ist es, einen (einstöckigen) barrierefreien Wagen an den Zug zu koppeln. 

Ob sich auch Gerichte mit der barrierebehafteten Neuanschaffung befassen werden, wird sich zeigen. Immerhin gilt auch für die Schiene das Ziel, ab 2022 barrierefrei zu sein (siehe BSK – Barrierefreiheit im Regionalverkehr (PDF)). 

P.S Auch Schleswig-Holstein ist an das Personenbeförderungsgesetz gebunden. Dort steht in §8 Absatz 3: „bis zum 1. Januar 2022 (ist) eine vollständige Barrierefreiheit zu erreichen“ (Quelle)

Verrampte Züge

Direkt zum „Aktuellen Stand“ springen (fortlaufend aktualisiert)

Der Nahverkehrsverbund in Schleswig-Holstein (NAH.SH) ist unmittelbar davor, 18 völlig neu konzipierte Züge von Stadtler bauen zu lassen, die nicht barrierefrei sind.

Schon heute ist allen Beteiligten klar, dass die Doppelstockzüge des Typs KISS  von Reisenden mit Mobilitätseinschränkung nicht ohne fremde Hilfe zu nutzen sein werden. 

Der Einstieg in den Zug ist nur über eine steile Rampe von 15 % vorgesehen. Damit wird der Ein- und Ausstieg für Reisende mit Mobilitätseinschränkung – darunter Rollstuhlnutzende und Rollatornutzende – in den allermeisten Fällen nicht eigenständig vollzogen werden können.

Ist die erste Rampe genommen, gibt es eine zweite Rampe zu den Rollstuhlplätzen und dann noch eine dritte (!) Rampe zu den Toiletten. Alle mit einem Neigungswinkel von 15 %.

Zum Vergleich: Rampen im öffentlichen Raum, gelten als sicher, wenn sie eine Neigung von 6 % nicht übersteigen (mehr).

Eckpunkte des Bahnprojekts:

  • Bahnstrecke Fehmarn – Lübeck – Hamburg (76cm Bahnsteighöhe)
  • 18 Doppelstockfahrzeugen des Typs KISS sollen gebaut werden
  • Auftragswert rund 220 Millionen Euro
  • Betrieb ab Dezember 2022
  • Die Verträge sind unterzeichnet (hier mehr) und die Produktion der Züge steht unmittelbar bevor. 

Barrierefreie Bahn fordert von der Bahn und den Auftraggebern (in diesem Fall NAH.SH) vollumfängliche Barrierefreiheit. Allen voran:

  • Das Schaffen eines barrierefreien Zugangs. Barrierefrei = ebenerdig, niveaugleich, also ohne Rampe, ohne Gefälle und ohne Höhenunterschied!

Es gibt verschiedene Lösungen, den stufenlosen und ebenerdigen Zugang zu ermöglichen. Das Schaffen einer einstöckigen Komponente für das barrierefreie Abteil wäre die beste Lösung. So wird es auch bei einem vergleichbaren Zug bereits erfolgreich umgesetzt: Dem RRX von Siemens

Übrigens: Alle Eingänge in dem Zug sind über jeweils drei Rampen zu begehen. Wir sagen: nicht barrierefrei, nicht nachhaltig und eben total verrampt. So nicht!

Neu! Firma Stadler hat zwischenzeitlich mitgeteilt, dass die 3. Rampe (vor dem WC) auf 6 % reduziert wurde. Aber: Wer wird denn ein WC im Zug benutzen, wenn er nicht gefahrlos in den Zug kommt?

Aktueller Stand

Das sagen der Bund, das Land und Stadler

  • Der Bund – Die Züge sind barrierefrei, da sie nach geltender EU Verordnung (und unter Berücksichtigung der UN-BRK) entwickelt werden
  • Das Land – Die Züge sind gekauft, die Verträge unterschrieben. Dennoch sind wir mit der Einstiegssituation nicht zufrieden. Wir werden zusammen mit dem Hersteller an der dritten Innenrampe arbeiten, um diese weniger steil zu machen
  • Stadler – „Es wurde geliefert, was bestellt wurde!“
  • NAH.SH – Die Beteiligung von Verbänden mit Menschen mit Behinderung ist ausreichend erfolgt
  • Die Bundesregierung – klärt in einer allgemeinen Stellungnahme, was sie unter Barrierefreiheit versteht: In einem  kürzlichen erschienen Schreiben des Bundestags (Drucksache 19/14819) sagt die Bundesregierung: Barrierefreies Reisen ohne fremde Hilfe ist dann möglich, wenn (…) ein niveaugleicher Ein- und Ausstieg (…) möglich ist.
    Weiter heißt es: Dabei soll nicht nur der Einstiegsbereich der Fahrzeuge diese Fußbodenhöhe (Anm. der Redaktion: 80 cm) aufweisen, sondern auch der Fahrgastraum – mindestens zum Großteil, wenn nicht insgesamt –, denn jede Stufe schränkt die Barrierefreiheit ein.

Das sagen wir

  • Wir erwarten (und fordern!) einen barrierefreien Einstieg. Barrierefrei = ohne fremde Hilfe – so, wie es die UN-BRK vorsieht
  • Wir fordern die Anschaffung und Ankoppelung eines einstöckigen Zuges mit einem niveaugleichen Einstieg bis 2022
  • Der ÖPNV soll ab 2022 barrierefrei sein. Das gilt auch für den Schienenverkehr in Schleswig-Holsteins und ist im Personenbeförderungsgesetz festgeschrieben (siehe § 8, Absatz 3), auf den der Landesnahverkehrsplan in S-H Bezug nimmt (S.97)
  • Als Antwort auf die angekündigten Veränderungen an der Innenrampe, sagen wir: Ein Herumwerkeln an der dritten Innenrampe ist ein Arbeiten an Details und als Reaktion auf unseren Protest nicht angemessen
  • Für kommende Ausschreibungen müssen Verbände mit Behinderung deutlich intensiver – und von Anfang an – beteiligt werden. Zusätzlich muss künftigen Ausschreibung ein in S-H zusammen mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung zu erarbeitenden Kriterienkatalog für barrierefreies Reisen im ÖPNV beigelegt werden

Kritik am Stadler Zug

  • Es geht über drei (!) – bei vergleichbare Doppelstockwagen sind es „nur“ zwei, das auch schon weit entfernt von einer barrierefreien Nutzbarkeit ist – Rampen in den Zug. Alle haben bislang eine Neigung von steilen 15 %. Das ist eine Steigung, die nicht barrierefrei von Rollstuhl- oder Rollatornutzenden befahren werden kann
  • Die Wendefläche ist zu klein (IST: 117 cm, Soll laut TSI PRM: 150 cm)
  • Die Beschilderung für Menschen mit Sehbehinderung ist nicht ausreichend (Taststreifen)

Das Problem

  • Die entsprechende europäische Norm zur Barrierefreiheit – die sogenannte TSI PRM ist eine EU Verordnung – wurde maßgeblich von der Industrie und den Bahnanbietern geschrieben. Anforderungen von Menschen mit Behinderungen sind nur unzureichend berücksichtigt worden. Die Verordnung sieht steile Rampen von bis zu 15 % Neigung vor (im Vergleich: Rampen im öffentlichen Raum gelten als sicher, wenn sie 6 % Steigung nicht überschreiten)
  • Bei der Ausschreibung hat NAH.SH ausschließlich auf die TSI PRM verwiesen. Zusätzliche Kriterien zur Barrierefreiheit – wie bei vergleichbaren Ausschreibungen in anderen Bundesländern (z.B. Rheinland-Pfalz)  –  gab es nicht
  • Die Beteiligung von Verbänden von Menschen mit Behinderung hat nicht oder nicht ausreichend stattgefunden
  • Der aktuelle Landesnahverkehrsplan (der übrigens immer noch Gültigkeit besitzt, obgleich er laut eigener Angabe nur bis 2017 hätte gelten sollen) beinhaltet kaum etwas zur Barrierefreiheit. Auf das Nichtvorhandensein eines schlüssigen Konzepts zur Barrierefreiheit im LNVP haben verschiedene Akteure schriftlich hingewiesen (Stellungnahmen PDF, 320 Seiten):  Darunter der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung und der BSK. Die Kritik wurde seitens NAH.SH zur Kenntnis genommen

Medienecho & spannende Tweets

Projekt HASE – Mobiservice einfach anmelden

So, liebe Bahn, jetzt seid ihr gefragt! Das Projekt Hase ist beendet. Die tollen Features, die in einer halbjährigen Pilotphase rund um den findigen Entwickler Philipp Maier entstanden sind, warten jetzt mit Spannung darauf in die Bahn App eingebaut zu werden.

Unter den vielen Errungenschaften von HASE befinden sich 3 Features mit absolutem Muss-Charakter:

  • Nutzerkonto mit Profil (inkl. gewünschter Treffpunkt mit der MSZ)
  • Intelligentes und einfaches Anmelden der MSZ von einfachen und wiederkehrenden Fahrten
  • Übersichtliche Anzeige von Reisen

 

Screenshot der HASE App mit Fahrten  und derem Status im Überblick
Hilfeleistung im Überblick

Bahn, ran ans Werk #Digitalisierung

Zug fahren, zu jeder Zeit!

Menschen mit Mobilitätseinschränkung, die – oft nur wegen mangelhafter Infrastruktur (Stufen in den Zug, übersteile Rampe) – auf Hilfe der Bahn angewiesen sind, können nur an bestimmten Bahnhöfen und nur zu bestimmten Öffnungszeiten reisen. Vorausgesetzt, die Bahn stellt Servicepersonal bereit. 

Wir finden: Das ist ein schwerer und diskriminierender Eingriff in die Selbstbestimmtheit von Reisende mit Mobilitätseinschränkung.

Wir fordern die Deutsche Bahn auf, Reisen für alle zu ermöglichen: Fährt ein Zug, ist dieser für alle Reisenden nutzbar!

Konkretes Beispiel ist Darmstadt. In der viertgrößten Stadt Hessen ist hier Samstags um 19:15 Uhr Endstation für mobilitätseingeschränkte Reisende. Denn dann ist kein mobiles Servicepersonal mehr vor Ort. 

Hauptbahnhof Darmstadt Servicezeiten.
Servicezeiten am Hauptbahnhof Darmstadt: Sonntags nicht vor neun Uhr morgens! (Quelle)

Photo by Alexander Popov on Unsplash

Komfort-Checkin für Alle?

Hier die Antwort der Bahn via Tweet: 

Grundsätzlich ist es das Ziel vom Komfort Check-in, alle Gäste im Fernverkehr, in allen Zügen, Tickets und Reisesituationen für den Check-in zu befähigen.

Da ein Check-in aber auch immer die Validierung und Entwertung eines Tickets voraussetzt, müssen dafür einige technische Voraussetzungen gegeben sein. In Fall von Sondersitzplätzen, die nur für berechtigte Personen nutzbar sein sollen, schließt dies die Prüfung der Berechtigung zur Nutzung des Sitzplatzes ein. Diese muss, da es sich um einen vollständig digitalen Prozess handelt digital vorliegen und in Verbindung mit einem digitalen Ticket maschinell prüfbar sein.

Dies ist derzeit bei mobilitätseingeschränkten Personen sowie deren Begleitpersonen noch nicht gegeben.

Um Missbrauch, bspw. die Belegung/Check-in durch unberechtigte Personen auszuschließen, bieten wir den Dienst in diesem Falle derzeit nicht an.

Mit dem bundesweiten Start des Komfort Check-ins im letzten Jahr, stehen wir hier auch noch am Anfang der Ausgestaltung des Services. Daher wird der Dienst kontinuierlich weiterentwickelt, um perspektivisch einen Check-in für alle Gäste im Fernverkehr zu ermöglichen. /fi

Supersteile Rampe @Bahn

Im öffentlichen Raum sind es 6% Steigung, die eine barrierefreie Rampe nicht übersteigen darf. 

Bei der Bahn sind es das Zweiundhalbfache: Mit 15% Steigung ist eine Rampe hier noch im grünen Bereich! 

Neigung von Rampen in Prozent und Grad
Neigung von 15% ist zulässig laut TSI-PRM

Was bedeutet das?

Reisende mit Mobilitätseinschränkung können nicht selbstständig in den Zug ein- und aussteigen. Ein klarer Widerspruch zur UN Konvention für Menschen mit Behinderung!

Doppelstockzüge

Wie reagieren die Hersteller? Sie schauen bei der Erstellung eines Zugs auf technische Anforderungen, darunter auch die TSI PRM. Und dann bauen sie Zugänge mit übersteilen Rampen. 

76er Bahnsteighöhe

In vielen Bundesländern geht man zur einheitlichen Bahnsteighöhe über. Oft – so auch in Schleswig-Holstein – sind es bald nur noch 76cm hohe Bahnsteighöhen. Wegen vermehrten Fahrgastaufkommens oft nur Doppelstockzüge verkehren, muss der Reisende im Doppelstock „runter“ in den Zug. Es ist eine Differenz von bis zu 22 cm zu überbrücken. In einigen Doppelstockwagen wird der Unterschied mit zwei Rampen ausgeglichen, andere Anbieter benötigen drei Rampen. Alle Anbieter haben eines gemeinsam: Die Rampen sind (viel!) zu steil, als dass sie eigenständig befahren werden könnten.

Die Lösung

Alle Zügen müssen über einen Zugang verfügen, der einen niveaugleichen Einstieg garantiert. Für einen Doppelstockzug bedeutet es, dass dieser nicht durchgänig doppelstöckig ist, sondern auch eine Komponente mit ebenem Zugang bietet.

TSI PRM updaten

Steht die TSI PRM über der UN-BRK? Natürlich müßte die TSI PRM im Hinblick auf die Maximalsteigung angepasst werden.

Mehr zur TSI PRM

Auszug BSK: Die Gestaltung der Barrierefreiheit legt die „Technische Spezifikationen für die InteroperabilitätPersons with Reduced Mobility“ (TSI PRM) fest. Hier gibt es sowohl für den Teilbereich Infrastruktur als auch für den Teilbereich Fahrzeug Regelungen. Der Abschnitt der TSI PRM zum Teilsystem Infrastruktur regelt u. a. technische Anforderungen zur barrierefreien Ausgestaltung und Dimensionierung so genannter hindernisfreier Wege in den Stationen, einschließlich einzelner Komponenten wie z. B. Bahnsteige, Treppen, Rampen, Aufzüge, Toiletten oder Einstiegshilfen.

Der Abschnitt der TSI PRM zum Teilsystem Fahrzeuge regelt u. a. technische Anforderungen zur barrierefreien Ausgestaltung und Dimensionierung der Räume, Türen, Sitze, Rollstuhlstellplätze, Toiletten in den Fahrzeugen, Warnsignale, Beleuchtung oder Kundeninformation. Die TSI PRM ist hier einsehbar.

Photo by Evan Dvorkin on Unsplash

Druck aufbauen

Bericht im Barrierefrei-Magazin. Hier zum zweiseitigen PDF. Text in HTML unten.

„Druck aufbauen” und konstruktiv, aber bestimmt der Bahn Feuer machen im Kessel für deutlich mehr Barrierefreiheit, darauf zielt die Initiative.

Artikel Cover - Rollinutzender vor IC der Deutschen Bahn. Text: Bahnfahren einfachen machen für alle
Cover vom Artikel

Bahnfahren Einfach Machen – Für Alle

Es ist Wunsch vieler Menschen klimafreundlicher zu reisen. Bewusst umgehen mit Ressourcen und für einen kleinen ökologischen Fußabdruck sorgen. Nicht zuletzt seit Greta Thunberg und der Fridays for Future Bewegung rückt diese “neue” Verantwortung in die Mitte unserer Gesellschaft.

Ein verhältnismäßig grünes Transportmittel ist die Bahn. Und damit sind wir direkt im Thema. Denn die Bahn ist nicht für alle mal eben so nutzbar. Es gibt viele Hemmschwellen. So sind im Fernverkehr und zum Teil auch im Nahverkehr noch immer Stufen zu überwinden. Für Rollstuhlfahrende oder andere mobilitätseingeschränkte Reisende sind Stufen eine echte Herausforderung. Hierfür muß im Vorfeld der Reise ein Hilfsmittel organisiert werden, die von Bahnmitarbeitenden bedient werden müssen. Diese Mitarbeiter stehen meist nur zu bestimmten Stunden bereit und nur an ausgewählten Bahnhöfen.

Die Situation ist nicht einfach. Die Konsequenz ist ein Bahnreisen für Personen mit Mobilitätseinschränkung nur unter erschwerten Bedingungen. Das will die Initiative “barrierefreiebahn.de” der ISL ändern! Die ISL ist eine menschenrechtsorientierte Interessenvertretung und Dachverband der Zentren für selbstbestimmtes Leben.

“Druck aufbauen” und konstruktiv, aber bestimmt der Bahn Feuer machen im Kessel für deutlich mehr Barrierefreiheit, darauf zielt die Initiative. Auf barrierfreiebahn.de und dem dazu gehörigen Twitter Account @bahnfueralle  werden “gute Beispiele” und “schlechte Erlebnisse” gesammelt, um der Bahn gemeinsam aufgezeigt: Hier gibte es gute Lösungen, hier muss sich die Bahn endlich mehr bewegen! 

In die gleiche Kerbe zielt die Petition”Bahnfahren einfach machen” von Kay Macquarrie, Aktivist und Rollstuhlnutzer. Fast 90.000 Menschen unterstützen bereits die Petition auf change.org. Die Petition setzt sich nicht nur für Barrierefreiheit ein, sondern hat auch eine besondere “Challenge” für den Bahnchef parat: Dr. Lutz ist eingeladen, gemeinsam mit Kay Macquarrie eine Zugreise von Berlin nach Hamburg zu machen. Und zwar mit Rollstuhl. 

“Bisher hat er dankend abgelehnt und auf einen prallen Terminkalender verwiesen” so Macquarrie. “Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass er dem öffentlichen Druck dauerhaft standhalten wird, und Dr. Lutz schließlich verstehen wird, worum es geht: Um die große Chance durch eine gemeinsame Reise mit Rollstuhl Erfahrung aus erster Hand zu sammeln. Um dann zu sehen, wie wichtig das Thema selbstbestimmtes und spontanes Reisen für viele Fahrgäste ist”. 

Was kann ich tun? Heute die Petition unterschreiben und teilen. Je mehr Stimmen zusammenkommen desto mehr Rückenwind gibt es. Die Petition hat das Potential auf 800.000 Stimmen anzuwachsen (das sind 10% aller Menschen mit einer Behinderung in Deutschland) und wird einen Veränderungsprozess starten für zugängliches, barrierefreies und einfaches Bahnfahren. Es gilt, die Bahn dorthin zu bewegen, wo sie freundlich und entgegenkommend zu allen ist: ob mit Fahrrad, Koffer, Kind und Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl, oder sonst wie unterwegs!

Rein und raus

Eine – unvollständige – Fotostory, wie mensch mit Rollstuhl oder Mobilitätseinschränkung einen Zug nutzt. Europaweit, weltweit.

Für Ideen und Hinweise gerne die Kommentarfunktion nutzen oder einen Tweet schreiben: @bahnfueralle

Japan

(Fast) stufenloser Einstieg, Bildquelle
Japanischer Zug von schräg vorne mit lang gestreckter Nase
Shinkansen / Bullet Train

Mehr: Shinkansen & Japan Rail Pass as a wheelchair user

China

Ausschnitt Rollstuhl im Viererabteil
Mit Rollstuhl im 4er Abteil im Nachtzug zwischen Shanghai und Peking (2009)
Ein- und Ausstieg erfolgte stufenlos und ohne fremde Hilfe.

Mittlerweile scheint der Bullet Train auch in China zum Einsatz zu kommen, mehr: High-Speed Train in China (Bullet Train)

Schweiz

Zug mit Niederflureinstieg und kleiner Brücke zum Schließen des Spalts zwischen Zug und Plattform.
Der erste „einstöckige Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug“ von Stadler mit Namen Smile. (mehr). 
Innensicht. Höhenausgleich durch eine etwa 2-3 Meter lange Rampe.
NIederflur für unterschiedliche Bahnsteighöhen (55 cm und 76 cm). Höhenausgleich durch Rampe von innen. (Quelle)

Belgien & Niederlande

Deutschland

Hublift vor ICE
Reisen im Fernverkehr mit Deutscher Bahn (ICE, IC, EC) geht nur mit Hilfe und mit 24h Voranmeldung

Österreich

Eurostar

Bitte einsteigen: Zugfahren für Gleichstellung

Fahr mit! Vom 14 – 16. November 2019

Warum? 

Noch haben Menschen mit Behinderung mit vielen Barrieren zu kämpfen und sind Menschen ohne Behinderung gegenüber nicht gleichgestellt. Das betrifft alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens: Alltag, Beruf und Mobilität wie zum Beispiel barrierefreies Bahnfahren.

Mit der Zugfahrt wird auf den 25. Jahrestag des Inkrafttretens der Änderung von Artikel 3 des Grundgesetzes aufmerksam gemacht. Denn hier heißt es:

Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Doch wie stark Praxis und Theorie auseinander sind, erleben Menschen mit Behinderung und ihre Umgebung täglich.

Was kann ich tun?

Mitreisen! Ab in die Bahn und Flagge zeigen für mehr Barrierefreiheit und für Gleichstellung.

Wo steige ich ein?

In Berlin, Hamburg oder München… insgesamt 16 Landeshauptstädte und 348 (!) Zwischenhalte.

Steig ein! Zugreise für Gleichstellung durch alle Bundesländer

Hier ein Überblick über alle Abfahrtszeiten (PDF). 

Muss ich die ganze Zeit dabei sein?

Nein! Nur so viel wie mensch mag. Alle sind herzlich willkommen – egal welche Strecke!

Die Aktion wird durchgeführt vom Netzwerk ungehindert: Mehr über das Aktionsnetzwerk.

Auf Twitter teilen

Negativbeispiel: Kein Raus mit Rollstuhl aus der Bahn in Dernau (Rheinland-Pfalz)

Der Wunsch

Am Wochenende einen Ausflug machen. Ins Grüne fahren. Wandern. Rückreise mit der Bahn.

Das möchte der Webentwickler und Inklusionsaktivist Christian Bayerlein (@freiherz), der mit Rollstuhl unterwegs ist.

Da spontanes, barrierefreies Reisen mit der Bahn auch im zweiten Jahrtausend nicht so eben möglich ist, bereitet er sich auf den Ausflug vor.

Die Vorbereitung

Check ob Bahnhöfe in Dernau und Bad Neuenahrbarrierefrei zugänglich sind. Check erfolgreich: beide rollstuhlzugänglich. 

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”

Check ob Zug mit Fahrzeuggebundener Einstiegshilfe fährt: Check erfolgreich.

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”
Bahn.de zeigt an: Zug mit “Fahrzeuggebundener Einstiegshilfe vorhanden”

Los geht’s! (Mit dem Auto nach Dernau, dann nach Bad Neuenahr gewandert. Von dort abends gegen 22:00 Uhr zurück, aber…)

Die Überraschung

Der Zugang in Bad Neuenahr kein Problem, aaaaber: in Dernau kein Ausstieg, denn die Rampe sei zu steil (mehr als 6%) für den tief liegenden Bahnsteig. 

Die Bahn stellt sich quer. Christian Bayerlin darf – auch auf eigene Verantwortung hin – nicht in Dernau aussteigen und die Rampe nutzen, obwohl er ähnliche Steigung mit seinem Rollstuhl schon erfolgreich gemeistert hat. Als Begründung wird Versicherungsgefahr genannt.

Christian Bayerlein beschwert sich bei der Bahn.

 

Die Antwort

Die Bahn sagt, dass die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe für die in Dernau vorhandene Bahnsteighöhe nicht zugelassen ist. 

 

What?! 

Sowohl Bahnhof, als auch Zug mit Einstiegshilfe wird als barrierefrei ausgeben (vgl. “Vorbereitung”). Und dann eine solche negative Überraschung? Wir finden: Das ist mindestens irreführend!

 

 Die Bahn empfiehlt

Anruf bei der Mobilitätsservice-Zentrale. Die informieren dann darüber, dass die Rampe in Dernau nicht zum Einsatz kommen kann.

 

Die Forderung 

  1. Barrierefreie Bahn – Wenn ein Zug über eine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe verfügt, dann bedeutet es, dass ein Reisender mit Rollstuhl / Mobilitätseinschränkung an jeder angefahrenen Haltestelle aussteigen kann. (Für den Fall, dass die fahrzeugeigene Rampe nicht passt, muss eine passende mitgeführt werden).

  2. Klare Kommunikation – Der nicht barrierefreie Ausstieg am Bahnhof in Dernau ist mehr als bedauerlich. Nicht hinzunehmen ist, dass diese Information nur am Telefon verfügbar ist, aber nicht entsprechend gekennzeichnet wird auf bahn.de. Diese Info gehört da hin und muss auf bahn.de in unmittelbarer Nähe des Bahnhof veröffentlicht sein. 

„Bereits verplant“ – Kein Ausstieg für Rollis

 

Reisende mit Mobilitätseinschränkung (z.B. Rollstuhlnutzende)  beschweren sich vermehrt über die schlechte Ausstiegssituation am Berliner Hauptbahnhof.

Rollis werden aufgrund von nicht verfügbaren oder bereits verplanten Personal nicht aus den Zügen geholt. Teilweise über einen Zeitraum von mehreren Tagen. 

O-Ton Deutsche Bahn: Vom 16.05 bis einschließlich 20.05.2019 ist das Personal auf dem Berliner Hbf bereits verplant.

Wir listen auf, wann am Berliner Hauptbahnhof das Personal nicht einsatzbereit war für eine angeforderte Mobilitätshilfe und wen es bisher getroffen hat: 

  • Mai 2019: Die Bloggerin und Mutter Ju Hahn konnte über mehrere Tage den Berliner Hauptbahnhof nicht anreisen, musste schließlich fliegen. Mehr: Das Internet macht Wunder möglich

  • Juni 2019: Der Inklusionsaktivist und Bundesverdienstkreuzträger Raul Krauthausen konnte nicht wie geplant am Berliner Hbf umsteigen und wurde nach den  Spandau umgeleitet, einen Umweg von etwa einer halben Stunde pro Strecke (laut Plan). RBB berichtete.

Unser kurzfristiges Ziel ist es, dass umgehend Abhilfe geschaffen wird (z.B. durch mehr Personal oder durch einen erweiterten Personenkreis, die die Hublifte bedienen können). Das eigentliche Ziel ist es, den Mangel an Barrierefreiheit („Weg mit Stufen vor den Zügen“) zu beseitigen. Dafür – so unser Kenntnisstand – gibt es von der Bahn noch nicht einmal einen Fahrplan!

Deswegen ist es so wichtig, Druck zu machen für deutlich mehr Barrierefreiheit und selbst aktiv zu werden.

Kein Ausstieg in Berlin HBF! Stufen und kein Personal – Video auf RBB

„Wenn Rollstuhlfahrer gezwungen sind, in Spandau auszusteigen. Mobilitätsservice der Bahn überlastet.“ Quelle RBB (Video nicht mehr verfügbar)

Kiel – London // DB diskriminiert grenzüberschreitend

 

Folgender Bericht erschien von „Kieler Barriereblick“ auf Facebook: 

 

DB AG und Rollifahrerin
Ärger pur mit Londontour!

Meine Kinder und ich, ich rollstuhlpflichtig, haben uns überlegt, in der zweiten Juliwoche die Hauptstadt des Vereinten Königreichs für einige Tage besuchen zu wollen. Vor dem Hintergrund einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu wollen, haben wir uns entschlossen, Bahn zu fahren. Gesagt, getan?

Anfang Juni, fünf Wochen vor der geplanten Reise, habe ich sodann das Reisezentrum der DB AG in Kiel aufgesucht, um für mich und meine Kinder entsprechende Fahrausweise zu erwerben sowie den Mobilitätsservice zeitgerecht anzumelden. Gerne hätte ich dies online getan. Doch wenn schon das Anmelden des Mobilitätsservices innerhalb Deutschlands digital eine umständliche und zeitraubende Prozedur ist, so ist es im internationalen Bahnverkehr schlicht nicht möglich. Sei es drum. Es ist wie es ist.

Freudig teilt mir sodann Bahnmitarbeiterin mit, dass wir – pro Person – mit einer Bahncard 50% für 158,30 Euro, also insgesamt für 474,90 Euro würden hin und zurück reisen können. Das als einen fairen Preis empfindend, bat ich sie darauf hin, drei Tickets für uns zu buchen sowie den erforderlichen Mobilitätsservice anzumelden. Frohen Mutes machte sich die Reiseverkehrskauffrau ans Werk (…)

2 Stunden und 38 Minuten später stand fest: Uns – weil ich Rollifahrerin bin – würde die Reise nicht 474,70 Euro, sondern mit 860,00 Euro nahezu das doppelte kosten.

Was war geschehen? Ganz einfach: Tagsüber war entweder kein Rolliplatz verfügbar oder dem Mobilitätsservice waren die Umsteigezeiten von 10 Minuten in Hannover zu kurz. Dies bedeutete unweigerlich, dass eine Reisunterbrechung anstand.

Nicht schlimm, dass sind Rollifahrer*innen durchaus gewohnt. Doch die Nachricht, dass ich aufgrund der Reiseunterbrechung – wohl gemerkt, wider Willen (!) – nicht mehr würde die Sparpreise in Anspruch nehmen können, die hat mich dann doch verärgert.

Doch ärgern – will man als Rollifahrer*in reisen – nützt nichts. Kurzum entschloss ich mich in den späten Abendstunden und nachts zu fahren, weil dort zumindest noch Rollipätze verfügbar und die Umsteigezeiten ein wenig komfortabler waren. Doch dann, kaum zu glauben, die ernüchternde Botschaft der Bahnmitarbeiterin, dass es in den Nachtstunden keinen Mobilitätsservice gibt. Genau! Nun war klar, warum die Rolliplätze noch verfügbar waren.

Übrigens: Meine Kinder alleine würden nach wie vor problemlos für jeweils 158,30 hin und zurück gekommen. Ich, wäre ich Fußgängerin, natürlich auch. Bin ich aber nicht. Leider! Doch was ich bin ist Steuerzahlerin, die gleichsam wie alle steuerzahlenden Fußgänger*innen, die privatwirtschaftlich organisierte, sich jedoch mehrheitlich im Staatseigentum befindliche DB AG mitfinanziert. Nur Reisen kann ich nicht wie die steuerzahlenden Fußgängerinnen und Fußgängern auf deren Gleisen …

Bitte nicht nur lesen und verwundert verweilen, bitte so viel es geht auch teilen!

KVV Chef setzt sich in den Rollstuhl

Den Perspektivwechsel üben. Mal erleben, wie es so ist, das eigene Verkehrssystem mit dem Rollstuhl zu nutzen. Das machte der KVV Chef Alexander Pischon – um ein „Gefühl dafür zu bekommen, welche Herausforderungen es für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste gibt“. Quelle KVV

Wir finden: Das Beispiel sollte Schule machen. Daumen hoch!

Für Inklusion im Bahnverkehr – Interview SOVD-SH

„Kay Macquarrie fährt regelmäßig mit der Bahn zwischen Kiel und Berlin. Wie alle Berufspendler ist er Verspätungen und Zugausfälle gewöhnt. Da er Rollstuhlfahrer ist, hat es Kay Macquarrie darüber hinaus allerdings mit Schwierigkeiten zu tun, die ihm das Reisen unnötig erschweren. Mit einer Online-Petition möchte er das Thema Inklusion im Bahnverkehr nun endlich nach vorn bringen. Was er sich am meisten wünscht und warum er Bahnchef  Lutz zu einer gemeinsamen Bahnfahrt im Rollstuhl einlädt – darüber haben wir mit dem Kieler gesprochen.“

Mehr auf SOVD-SH