• Home
  • Autor: Bahn-Admin

Druck aufbauen

Bericht im Barrierefrei-Magazin. Hier zum zweiseitigen PDF. Text in HTML unten.

„Druck aufbauen” und konstruktiv, aber bestimmt der Bahn Feuer machen im Kessel für deutlich mehr Barrierefreiheit, darauf zielt die Initiative.

Artikel Cover - Rollinutzender vor IC der Deutschen Bahn. Text: Bahnfahren einfachen machen für alle
Cover vom Artikel

Bahnfahren Einfach Machen – Für Alle

Es ist Wunsch vieler Menschen klimafreundlicher zu reisen. Bewusst umgehen mit Ressourcen und für einen kleinen ökologischen Fußabdruck sorgen. Nicht zuletzt seit Greta Thunberg und der Fridays for Future Bewegung rückt diese “neue” Verantwortung in die Mitte unserer Gesellschaft.

Ein verhältnismäßig grünes Transportmittel ist die Bahn. Und damit sind wir direkt im Thema. Denn die Bahn ist nicht für alle mal eben so nutzbar. Es gibt viele Hemmschwellen. So sind im Fernverkehr und zum Teil auch im Nahverkehr noch immer Stufen zu überwinden. Für Rollstuhlfahrende oder andere mobilitätseingeschränkte Reisende sind Stufen eine echte Herausforderung. Hierfür muß im Vorfeld der Reise ein Hilfsmittel organisiert werden, die von Bahnmitarbeitenden bedient werden müssen. Diese Mitarbeiter stehen meist nur zu bestimmten Stunden bereit und nur an ausgewählten Bahnhöfen.

Die Situation ist nicht einfach. Die Konsequenz ist ein Bahnreisen für Personen mit Mobilitätseinschränkung nur unter erschwerten Bedingungen. Das will die Initiative “barrierefreiebahn.de” der ISL ändern! Die ISL ist eine menschenrechtsorientierte Interessenvertretung und Dachverband der Zentren für selbstbestimmtes Leben.

“Druck aufbauen” und konstruktiv, aber bestimmt der Bahn Feuer machen im Kessel für deutlich mehr Barrierefreiheit, darauf zielt die Initiative. Auf barrierfreiebahn.de und dem dazu gehörigen Twitter Account @bahnfueralle  werden “gute Beispiele” und “schlechte Erlebnisse” gesammelt, um der Bahn gemeinsam aufgezeigt: Hier gibte es gute Lösungen, hier muss sich die Bahn endlich mehr bewegen! 

In die gleiche Kerbe zielt die Petition”Bahnfahren einfach machen” von Kay Macquarrie, Aktivist und Rollstuhlnutzer. Fast 90.000 Menschen unterstützen bereits die Petition auf change.org. Die Petition setzt sich nicht nur für Barrierefreiheit ein, sondern hat auch eine besondere “Challenge” für den Bahnchef parat: Dr. Lutz ist eingeladen, gemeinsam mit Kay Macquarrie eine Zugreise von Berlin nach Hamburg zu machen. Und zwar mit Rollstuhl. 

“Bisher hat er dankend abgelehnt und auf einen prallen Terminkalender verwiesen” so Macquarrie. “Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass er dem öffentlichen Druck dauerhaft standhalten wird, und Dr. Lutz schließlich verstehen wird, worum es geht: Um die große Chance durch eine gemeinsame Reise mit Rollstuhl Erfahrung aus erster Hand zu sammeln. Um dann zu sehen, wie wichtig das Thema selbstbestimmtes und spontanes Reisen für viele Fahrgäste ist”. 

Was kann ich tun? Heute die Petition unterschreiben und teilen. Je mehr Stimmen zusammenkommen desto mehr Rückenwind gibt es. Die Petition hat das Potential auf 800.000 Stimmen anzuwachsen (das sind 10% aller Menschen mit einer Behinderung in Deutschland) und wird einen Veränderungsprozess starten für zugängliches, barrierefreies und einfaches Bahnfahren. Es gilt, die Bahn dorthin zu bewegen, wo sie freundlich und entgegenkommend zu allen ist: ob mit Fahrrad, Koffer, Kind und Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl, oder sonst wie unterwegs!

Rein und raus

Eine – unvollständige – Fotostory, wie mensch mit Rollstuhl oder Mobilitätseinschränkung einen Zug nutzt. Europaweit, weltweit.

Für Ideen und Hinweise gerne die Kommentarfunktion nutzen oder einen Tweet schreiben: @bahnfueralle

Japan

(Fast) stufenloser Einstieg, Bildquelle
Japanischer Zug von schräg vorne mit lang gestreckter Nase
Shinkansen / Bullet Train

Mehr: Shinkansen & Japan Rail Pass as a wheelchair user

China

Ausschnitt Rollstuhl im Viererabteil
Mit Rollstuhl im 4er Abteil im Nachtzug zwischen Shanghai und Peking (2009)
Ein- und Ausstieg erfolgte stufenlos und ohne fremde Hilfe.

Mittlerweile scheint der Bullet Train auch in China zum Einsatz zu kommen, mehr: High-Speed Train in China (Bullet Train)

Schweiz

Zug mit Niederflureinstieg und kleiner Brücke zum Schließen des Spalts zwischen Zug und Plattform.
Der erste „einstöckige Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug“ von Stadler mit Namen Smile. (mehr). 
Innensicht. Höhenausgleich durch eine etwa 2-3 Meter lange Rampe.
NIederflur für unterschiedliche Bahnsteighöhen (55 cm und 76 cm). Höhenausgleich durch Rampe von innen. (Quelle)

Belgien & Niederlande

Deutschland

Hublift vor ICE
Reisen im Fernverkehr mit Deutscher Bahn (ICE, IC, EC) geht nur mit Hilfe und mit 24h Voranmeldung

Österreich

Eurostar

Bitte einsteigen: Zugfahren für Gleichstellung

Fahr mit! Vom 14 – 16. November 2019

Warum? 

Noch haben Menschen mit Behinderung mit vielen Barrieren zu kämpfen und sind Menschen ohne Behinderung gegenüber nicht gleichgestellt. Das betrifft alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens: Alltag, Beruf und Mobilität wie zum Beispiel barrierefreies Bahnfahren.

Mit der Zugfahrt wird auf den 25. Jahrestag des Inkrafttretens der Änderung von Artikel 3 des Grundgesetzes aufmerksam gemacht. Denn hier heißt es:

Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Doch wie stark Praxis und Theorie auseinander sind, erleben Menschen mit Behinderung und ihre Umgebung täglich.

Was kann ich tun?

Mitreisen! Ab in die Bahn und Flagge zeigen für mehr Barrierefreiheit und für Gleichstellung.

Wo steige ich ein?

In Berlin, Hamburg oder München… insgesamt 16 Landeshauptstädte und 348 (!) Zwischenhalte.

Steig ein! Zugreise für Gleichstellung durch alle Bundesländer

Hier ein Überblick über alle Abfahrtszeiten (PDF). 

Muss ich die ganze Zeit dabei sein?

Nein! Nur so viel wie mensch mag. Alle sind herzlich willkommen – egal welche Strecke!

Die Aktion wird durchgeführt vom Netzwerk ungehindert: Mehr über das Aktionsnetzwerk.

Auf Twitter teilen

Negativbeispiel: Kein Raus mit Rollstuhl aus der Bahn in Dernau (Rheinland-Pfalz)

Der Wunsch

Am Wochenende einen Ausflug machen. Ins Grüne fahren. Wandern. Rückreise mit der Bahn.

Das möchte der Webentwickler und Inklusionsaktivist Christian Bayerlein (@freiherz), der mit Rollstuhl unterwegs ist.

Da spontanes, barrierefreies Reisen mit der Bahn auch im zweiten Jahrtausend nicht so eben möglich ist, bereitet er sich auf den Ausflug vor.

Die Vorbereitung

Check ob Bahnhöfe in Dernau und Bad Neuenahrbarrierefrei zugänglich sind. Check erfolgreich: beide rollstuhlzugänglich. 

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”

Check ob Zug mit Fahrzeuggebundener Einstiegshilfe fährt: Check erfolgreich.

Bahn.de zeigt an: Bahnhof mit “Stufenfreiem Zugang”
Bahn.de zeigt an: Zug mit “Fahrzeuggebundener Einstiegshilfe vorhanden”

Los geht’s! (Mit dem Auto nach Dernau, dann nach Bad Neuenahr gewandert. Von dort abends gegen 22:00 Uhr zurück, aber…)

Die Überraschung

Der Zugang in Bad Neuenahr kein Problem, aaaaber: in Dernau kein Ausstieg, denn die Rampe sei zu steil (mehr als 6%) für den tief liegenden Bahnsteig. 

Die Bahn stellt sich quer. Christian Bayerlin darf – auch auf eigene Verantwortung hin – nicht in Dernau aussteigen und die Rampe nutzen, obwohl er ähnliche Steigung mit seinem Rollstuhl schon erfolgreich gemeistert hat. Als Begründung wird Versicherungsgefahr genannt.

Christian Bayerlein beschwert sich bei der Bahn.

 

Die Antwort

Die Bahn sagt, dass die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe für die in Dernau vorhandene Bahnsteighöhe nicht zugelassen ist. 

 

What?! 

Sowohl Bahnhof, als auch Zug mit Einstiegshilfe wird als barrierefrei ausgeben (vgl. “Vorbereitung”). Und dann eine solche negative Überraschung? Wir finden: Das ist mindestens irreführend!

 

 Die Bahn empfiehlt

Anruf bei der Mobilitätsservice-Zentrale. Die informieren dann darüber, dass die Rampe in Dernau nicht zum Einsatz kommen kann.

 

Die Forderung 

  1. Barrierefreie Bahn – Wenn ein Zug über eine fahrzeuggebundene Einstiegshilfe verfügt, dann bedeutet es, dass ein Reisender mit Rollstuhl / Mobilitätseinschränkung an jeder angefahrenen Haltestelle aussteigen kann. (Für den Fall, dass die fahrzeugeigene Rampe nicht passt, muss eine passende mitgeführt werden).

  2. Klare Kommunikation – Der nicht barrierefreie Ausstieg am Bahnhof in Dernau ist mehr als bedauerlich. Nicht hinzunehmen ist, dass diese Information nur am Telefon verfügbar ist, aber nicht entsprechend gekennzeichnet wird auf bahn.de. Diese Info gehört da hin und muss auf bahn.de in unmittelbarer Nähe des Bahnhof veröffentlicht sein. 

„Bereits verplant“ – Kein Ausstieg für Rollis

 

Reisende mit Mobilitätseinschränkung (z.B. Rollstuhlnutzende)  beschweren sich vermehrt über die schlechte Ausstiegssituation am Berliner Hauptbahnhof.

Rollis werden aufgrund von nicht verfügbaren oder bereits verplanten Personal nicht aus den Zügen geholt. Teilweise über einen Zeitraum von mehreren Tagen. 

O-Ton Deutsche Bahn: Vom 16.05 bis einschließlich 20.05.2019 ist das Personal auf dem Berliner Hbf bereits verplant.

Wir listen auf, wann am Berliner Hauptbahnhof das Personal nicht einsatzbereit war für eine angeforderte Mobilitätshilfe und wen es bisher getroffen hat: 

  • Mai 2019: Die Bloggerin und Mutter Ju Hahn konnte über mehrere Tage den Berliner Hauptbahnhof nicht anreisen, musste schließlich fliegen. Mehr: Das Internet macht Wunder möglich

  • Juni 2019: Der Inklusionsaktivist und Bundesverdienstkreuzträger Raul Krauthausen konnte nicht wie geplant am Berliner Hbf umsteigen und wurde nach den  Spandau umgeleitet, einen Umweg von etwa einer halben Stunde pro Strecke (laut Plan). RBB berichtete.

Unser kurzfristiges Ziel ist es, dass umgehend Abhilfe geschaffen wird (z.B. durch mehr Personal oder durch einen erweiterten Personenkreis, die die Hublifte bedienen können). Das eigentliche Ziel ist es, den Mangel an Barrierefreiheit („Weg mit Stufen vor den Zügen“) zu beseitigen. Dafür – so unser Kenntnisstand – gibt es von der Bahn noch nicht einmal einen Fahrplan!

Deswegen ist es so wichtig, Druck zu machen für deutlich mehr Barrierefreiheit und selbst aktiv zu werden.

Kein Ausstieg in Berlin HBF! Stufen und kein Personal – Video auf RBB

„Wenn Rollstuhlfahrer gezwungen sind, in Spandau auszusteigen. Mobilitätsservice der Bahn überlastet.“ Quelle RBB (Video nicht mehr verfügbar)

Kiel – London // DB diskriminiert grenzüberschreitend

 

Folgender Bericht erschien von „Kieler Barriereblick“ auf Facebook: 

 

DB AG und Rollifahrerin
Ärger pur mit Londontour!

Meine Kinder und ich, ich rollstuhlpflichtig, haben uns überlegt, in der zweiten Juliwoche die Hauptstadt des Vereinten Königreichs für einige Tage besuchen zu wollen. Vor dem Hintergrund einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu wollen, haben wir uns entschlossen, Bahn zu fahren. Gesagt, getan?

Anfang Juni, fünf Wochen vor der geplanten Reise, habe ich sodann das Reisezentrum der DB AG in Kiel aufgesucht, um für mich und meine Kinder entsprechende Fahrausweise zu erwerben sowie den Mobilitätsservice zeitgerecht anzumelden. Gerne hätte ich dies online getan. Doch wenn schon das Anmelden des Mobilitätsservices innerhalb Deutschlands digital eine umständliche und zeitraubende Prozedur ist, so ist es im internationalen Bahnverkehr schlicht nicht möglich. Sei es drum. Es ist wie es ist.

Freudig teilt mir sodann Bahnmitarbeiterin mit, dass wir – pro Person – mit einer Bahncard 50% für 158,30 Euro, also insgesamt für 474,90 Euro würden hin und zurück reisen können. Das als einen fairen Preis empfindend, bat ich sie darauf hin, drei Tickets für uns zu buchen sowie den erforderlichen Mobilitätsservice anzumelden. Frohen Mutes machte sich die Reiseverkehrskauffrau ans Werk (…)

2 Stunden und 38 Minuten später stand fest: Uns – weil ich Rollifahrerin bin – würde die Reise nicht 474,70 Euro, sondern mit 860,00 Euro nahezu das doppelte kosten.

Was war geschehen? Ganz einfach: Tagsüber war entweder kein Rolliplatz verfügbar oder dem Mobilitätsservice waren die Umsteigezeiten von 10 Minuten in Hannover zu kurz. Dies bedeutete unweigerlich, dass eine Reisunterbrechung anstand.

Nicht schlimm, dass sind Rollifahrer*innen durchaus gewohnt. Doch die Nachricht, dass ich aufgrund der Reiseunterbrechung – wohl gemerkt, wider Willen (!) – nicht mehr würde die Sparpreise in Anspruch nehmen können, die hat mich dann doch verärgert.

Doch ärgern – will man als Rollifahrer*in reisen – nützt nichts. Kurzum entschloss ich mich in den späten Abendstunden und nachts zu fahren, weil dort zumindest noch Rollipätze verfügbar und die Umsteigezeiten ein wenig komfortabler waren. Doch dann, kaum zu glauben, die ernüchternde Botschaft der Bahnmitarbeiterin, dass es in den Nachtstunden keinen Mobilitätsservice gibt. Genau! Nun war klar, warum die Rolliplätze noch verfügbar waren.

Übrigens: Meine Kinder alleine würden nach wie vor problemlos für jeweils 158,30 hin und zurück gekommen. Ich, wäre ich Fußgängerin, natürlich auch. Bin ich aber nicht. Leider! Doch was ich bin ist Steuerzahlerin, die gleichsam wie alle steuerzahlenden Fußgänger*innen, die privatwirtschaftlich organisierte, sich jedoch mehrheitlich im Staatseigentum befindliche DB AG mitfinanziert. Nur Reisen kann ich nicht wie die steuerzahlenden Fußgängerinnen und Fußgängern auf deren Gleisen …

Bitte nicht nur lesen und verwundert verweilen, bitte so viel es geht auch teilen!