Travelling with Deutsche Bahn – oder lieber doch nicht

Gastbeitrag

Ich bin Studentin und seit 2004 auf einen Rollstuhl  angewiesen. Aus verschiedenen Gründen kann ich bisher nicht Auto fahren.  Darum nutze ich seit 15 Jahren regelmäßig die Deutsche Bahn und würde gern meine Erfahrungen dazu weitergeben.

Denn ich denke oft: „Müssten alle Menschen so reisen, wie ich es muss, wären die Empörung und der Aufschrei sicher riesig.“ 

Ich kann über die Jahre zwar wertvolle Verbesserungen sehen, so zum Beispiel, dass man Hilfen zum Ein-, Um- und Aussteigen oder zum Erreichen und Verlassen der Bahnsteige per Telefon bis zum Vorabend des Reisetages buchen kann. Bis vor ein paar Jahren musste man 48h im Voraus buchen und sehr, sehr langsam werden mehr Bahngleise durch Aufzüge zugänglich. 

Jede Verbesserung freut mich. Dennoch bleiben enorme Einschränkungen und Erschwernisse beim Reisen bestehen: 

Nicht spontan fahren

Hilfe zum Ein- Um- und Aussteigen, ohne die ich nicht reisen kann, muss ich unter der Woche bis zum Vorabend per Telefon anmelden. An Wochenenden, Feiertagen oder für Auslandsreisen ist eine Anmeldung spätestens 48h vorab nötig. Somit kann ich niemals spontan reisen. Spontan noch was einkaufen, Freunde treffen oder auch zu einem Notfall meiner Familie reisen geht nicht.  

Zudem gibt es diese nötige Mobilitätshilfe NUR an Hauptbahnhöfen und leider – soweit ich weiß – noch nicht mal dort an jedem. Ich kann also seit 15 Jahren nur diese anreisen und nur an diesen Umsteigen. Muss ich mal zu einem anderen Bahnhof, geht das nur durch privat organisierte Hilfe. Da ich also ausschließlich an vielen Hauptbahnhöfen ein und umsteigen kann, kann ich oft nicht die schnellste Verbindung zum Ziel wählen und hab meist erheblich längere Reisezeiten.

Für S-Bahn Züge der DB gibt es teils dennoch keinen Service, mit der Aussage der DB, diese hätten keine Treppenstufen und seien also barrierefrei.  Ich kann nicht herausragend gut rollifahren, aber auch nicht schlecht. Viele Betroffene können ihren Rolli schlechter als ich selbst fahren. Aber ich komme ohne Hilfe in die wenigsten, dieser angeblich barrierefreien Züge. Die Schwellen sind zu hoch, auch ohne Treppen oder der Abstand zwischen Bahnsteig und Zugwagon ist so groß, dass ich nicht drüber fahren kann. Ich bin also aufgeschmissen. 

Lokführer haben in manchen dieser Züge zwar Rampen, die sie auslegen könnten und man wird gebeten, am Lokführerfenster zu stehen und um diese zu bitten, wenn der Zug einfährt. Die Fahrer sehen mich allerdings sehr oft nicht und tun dies nicht. Somit ist das nicht verlässlich. 

Kurz: An vielen Bahnhöfen und für viele Züge gibt es keinen Service und man kann sie nicht anreisen oder nutzen. 

Rolli WC’s (oft) nicht nutzbar

Zudem sind rollstuhlgerechte Toiletten für mich sehr oft in Zügen oder an Bahnhöfen nicht nutzbar und ich weiß niemals vorab, ob es sie gibt oder nicht. Entweder es gibt gar keine oder aber ich kann nur irgendwo mit dem Rolli stehen, von wo aus ich diese nicht erreiche/ bzw. der Service stellt mich falsch ab. Erreiche ich sie und es gibt sie, ist sie dann noch oft kaputt, genauso wie in Bahnhöfen. 

Darum muss ich immer so planen, als gäbe es keine Toilette, denn das sie nutzbar ist, ist seltenes Glück
Darum trinke und esse ich 3h vor Fahrten und auch während Fahrten nicht. Nur so bin ich sicher. Dass ist aber schon sehr belastend und nicht gesund, wie mir die Jahre zeigen. Ich hatte schon Schäden dadurch. Eigentlich ist es eine Zumutung. 

Verlässlich unzuverlässig

Kann ich doch nicht am Zielbahnhof aussteigen und muss weiterfahren, kostet mich das meist 1-3 zusätzliche Stunden Reisezeit ohne trinken oder essen. Das ist nicht einfach mal ein bisschen umständlicher, sondern sehr mühsam, stressig und ärgerlich. Hätte ich gar täglich wichtige Termine oder so, würde ich niemals das Risiko eingehen, die Bahn zu nutzen. Ich fahre 1-3x monatlich und plane sicher und zeitlich sehr großzügig. Täglich ginge das nicht. 

Bahn mit Reservaten

Zudem muss ich als Rollifahrerin immer an vorgesehenen Plätzen stehen, Andere Plätze und Zuwege sind so schmal, dass ich sie nicht erreiche, obwohl ich samt Rolli klein und schmal bin. In Nahverkehrszügen, die ich meist nutze, sind das niemals reguläre Sitzplätze mit Rückenlehnen, die Kopfstützen haben. Es sind immer Klappsitze ohne hohe Lehne.

Meist bleibe ich also im Rolli, der bequemer ist. Bei längeren Fahrten wünsche ich mir allerdings oft, ich hätte eine Lehne, bekomme Rückenschmerzen und kann selten schlafen, wenn ich meinen Kopf halten muss und nicht anlehnen kann. Wenn ich müde bin fällt mir das schwer. Dort habe ich auch niemals einen Tisch zur Verfügung, würde ich arbeiten oder lernen wollen. 

Ich bin – ohne Auto – ehrlich gesagt sehr froh, dass ich die Bahn überhaupt nutzen kann und dass es irgendeinen Service gibt, ganz ohne wäre ich noch immobiler und isolierter. Ohne diesen und harte Bahnfahrten könnte ich mein Studium, das es so nur in einer Stadt Deutschlands gibt, wohl nicht machen.

Halte ich mich an alle Begrenzungen und Regeln, klappt bei mir so gut wie jede Fahrt. Aber nur dann und es ist im Vergleich zu unbehinderten Nutzern sehr begrenzt möglich, aufwendig, unbequem, ungesund und unmenschlich. 

Ich bin eine junge Frau mit einem ausgefüllten Alltag voller Freuden, Aufgaben und Pflichten, wie wir sie alle haben. Meine Behinderung bedingt dabei einige zusätzliche Herausforderungen, Bahnfahren sollte keine sein.

Bildquelle

Bahn-Admin

3 Replies to “Travelling with Deutsche Bahn – oder lieber doch nicht”

  1. Jammern und weh klagen auf hohem Niveau.
    Das die Toiletten auf den Bahnhöfen entweder verdreckt oder teils geschlossen sind, ist ein generelles Problem von Vandalismus. Davon sind auch die „normalen“ Toiletten betroffen.
    Das Rollstuhlfahrer in den S-Bahnen als auch in den Fernzügen „gesonderte Plätze“ haben, ist eben so.
    Mit Kinderwagen kann man auch nicht überall hin. Wenn man sich umsetzen kann, ist ja alles wunderbar. Wenn nicht, sollte man seinen Rollstuhl entsprechen ausstatten lassen. Dafür kann die Bahn nix.
    Und die 3-S Mitarbeiter nur auf den Hauptbahnhöfen Hilfe leisten, stimmt schlicht weg nicht. Ich kenne genug kleine Bahnhöfe, welche vom Mobilitätsservice per Auto angefahren werden, um dem Rollstuhlfahrer beim Einstieg behilflich zu sein.

    1. Antworten auf niedrigstem Niveau ist Ihre Profession?

      Auch Sie können innerhalb einer Minute auf einen Rollstuhl angewiesen sein.
      Wenn Sie sich in anderen Lebenssituationen verhalten wie hier, würde mich das nicht wundern.

      Strunzendumm…
      Ist eben so…

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