Komfort-Checkin für Alle?

Hier die Antwort der Bahn via Tweet: 

Grundsätzlich ist es das Ziel vom Komfort Check-in, alle Gäste im Fernverkehr, in allen Zügen, Tickets und Reisesituationen für den Check-in zu befähigen.

Da ein Check-in aber auch immer die Validierung und Entwertung eines Tickets voraussetzt, müssen dafür einige technische Voraussetzungen gegeben sein. In Fall von Sondersitzplätzen, die nur für berechtigte Personen nutzbar sein sollen, schließt dies die Prüfung der Berechtigung zur Nutzung des Sitzplatzes ein. Diese muss, da es sich um einen vollständig digitalen Prozess handelt digital vorliegen und in Verbindung mit einem digitalen Ticket maschinell prüfbar sein.

Dies ist derzeit bei mobilitätseingeschränkten Personen sowie deren Begleitpersonen noch nicht gegeben.

Um Missbrauch, bspw. die Belegung/Check-in durch unberechtigte Personen auszuschließen, bieten wir den Dienst in diesem Falle derzeit nicht an.

Mit dem bundesweiten Start des Komfort Check-ins im letzten Jahr, stehen wir hier auch noch am Anfang der Ausgestaltung des Services. Daher wird der Dienst kontinuierlich weiterentwickelt, um perspektivisch einen Check-in für alle Gäste im Fernverkehr zu ermöglichen. /fi

Supersteile Rampe @Bahn

Im öffentlichen Raum sind es 6% Steigung, die eine barrierefreie Rampe nicht übersteigen darf. 

Bei der Bahn sind es das Zweiundhalbfache: Mit 15% Steigung ist eine Rampe hier noch im grünen Bereich! 

Neigung von Rampen in Prozent und Grad
Neigung von 15% ist zulässig laut TSI-PRM

Was bedeutet das?

Reisende mit Mobilitätseinschränkung können nicht selbstständig in den Zug ein- und aussteigen. Ein klarer Widerspruch zur UN Konvention für Menschen mit Behinderung!

Doppelstockzüge

Wie reagieren die Hersteller? Sie schauen bei der Erstellung eines Zugs auf technische Anforderungen, darunter auch die TSI PRM. Und dann bauen sie Zugänge mit übersteilen Rampen. 

76er Bahnsteighöhe

In vielen Bundesländern geht man zur einheitlichen Bahnsteighöhe über. Oft – so auch in Schleswig-Holstein – sind es bald nur noch 76cm hohe Bahnsteighöhen. Wegen vermehrten Fahrgastaufkommens oft nur Doppelstockzüge verkehren, muss der Reisende im Doppelstock „runter“ in den Zug. Es ist eine Differenz von bis zu 22 cm zu überbrücken. In einigen Doppelstockwagen wird der Unterschied mit zwei Rampen ausgeglichen, andere Anbieter benötigen drei Rampen. Alle Anbieter haben eines gemeinsam: Die Rampen sind (viel!) zu steil, als dass sie eigenständig befahren werden könnten.

Die Lösung

Alle Zügen müssen über einen Zugang verfügen, der einen niveaugleichen Einstieg garantiert. Für einen Doppelstockzug bedeutet es, dass dieser nicht durchgänig doppelstöckig ist, sondern auch eine Komponente mit ebenem Zugang bietet.

TSI PRM updaten

Steht die TSI PRM über der UN-BRK? Natürlich müßte die TSI PRM im Hinblick auf die Maximalsteigung angepasst werden.

Mehr zur TSI PRM

Auszug BSK: Die Gestaltung der Barrierefreiheit legt die „Technische Spezifikationen für die InteroperabilitätPersons with Reduced Mobility“ (TSI PRM) fest. Hier gibt es sowohl für den Teilbereich Infrastruktur als auch für den Teilbereich Fahrzeug Regelungen. Der Abschnitt der TSI PRM zum Teilsystem Infrastruktur regelt u. a. technische Anforderungen zur barrierefreien Ausgestaltung und Dimensionierung so genannter hindernisfreier Wege in den Stationen, einschließlich einzelner Komponenten wie z. B. Bahnsteige, Treppen, Rampen, Aufzüge, Toiletten oder Einstiegshilfen.

Der Abschnitt der TSI PRM zum Teilsystem Fahrzeuge regelt u. a. technische Anforderungen zur barrierefreien Ausgestaltung und Dimensionierung der Räume, Türen, Sitze, Rollstuhlstellplätze, Toiletten in den Fahrzeugen, Warnsignale, Beleuchtung oder Kundeninformation. Die TSI PRM ist hier einsehbar.

Photo by Evan Dvorkin on Unsplash

Druck aufbauen

Bericht im Barrierefrei-Magazin. Hier zum zweiseitigen PDF. Text in HTML unten.

„Druck aufbauen” und konstruktiv, aber bestimmt der Bahn Feuer machen im Kessel für deutlich mehr Barrierefreiheit, darauf zielt die Initiative.

Artikel Cover - Rollinutzender vor IC der Deutschen Bahn. Text: Bahnfahren einfachen machen für alle
Cover vom Artikel

Bahnfahren Einfach Machen – Für Alle

Es ist Wunsch vieler Menschen klimafreundlicher zu reisen. Bewusst umgehen mit Ressourcen und für einen kleinen ökologischen Fußabdruck sorgen. Nicht zuletzt seit Greta Thunberg und der Fridays for Future Bewegung rückt diese “neue” Verantwortung in die Mitte unserer Gesellschaft.

Ein verhältnismäßig grünes Transportmittel ist die Bahn. Und damit sind wir direkt im Thema. Denn die Bahn ist nicht für alle mal eben so nutzbar. Es gibt viele Hemmschwellen. So sind im Fernverkehr und zum Teil auch im Nahverkehr noch immer Stufen zu überwinden. Für Rollstuhlfahrende oder andere mobilitätseingeschränkte Reisende sind Stufen eine echte Herausforderung. Hierfür muß im Vorfeld der Reise ein Hilfsmittel organisiert werden, die von Bahnmitarbeitenden bedient werden müssen. Diese Mitarbeiter stehen meist nur zu bestimmten Stunden bereit und nur an ausgewählten Bahnhöfen.

Die Situation ist nicht einfach. Die Konsequenz ist ein Bahnreisen für Personen mit Mobilitätseinschränkung nur unter erschwerten Bedingungen. Das will die Initiative “barrierefreiebahn.de” der ISL ändern! Die ISL ist eine menschenrechtsorientierte Interessenvertretung und Dachverband der Zentren für selbstbestimmtes Leben.

“Druck aufbauen” und konstruktiv, aber bestimmt der Bahn Feuer machen im Kessel für deutlich mehr Barrierefreiheit, darauf zielt die Initiative. Auf barrierfreiebahn.de und dem dazu gehörigen Twitter Account @bahnfueralle  werden “gute Beispiele” und “schlechte Erlebnisse” gesammelt, um der Bahn gemeinsam aufgezeigt: Hier gibte es gute Lösungen, hier muss sich die Bahn endlich mehr bewegen! 

In die gleiche Kerbe zielt die Petition”Bahnfahren einfach machen” von Kay Macquarrie, Aktivist und Rollstuhlnutzer. Fast 90.000 Menschen unterstützen bereits die Petition auf change.org. Die Petition setzt sich nicht nur für Barrierefreiheit ein, sondern hat auch eine besondere “Challenge” für den Bahnchef parat: Dr. Lutz ist eingeladen, gemeinsam mit Kay Macquarrie eine Zugreise von Berlin nach Hamburg zu machen. Und zwar mit Rollstuhl. 

“Bisher hat er dankend abgelehnt und auf einen prallen Terminkalender verwiesen” so Macquarrie. “Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass er dem öffentlichen Druck dauerhaft standhalten wird, und Dr. Lutz schließlich verstehen wird, worum es geht: Um die große Chance durch eine gemeinsame Reise mit Rollstuhl Erfahrung aus erster Hand zu sammeln. Um dann zu sehen, wie wichtig das Thema selbstbestimmtes und spontanes Reisen für viele Fahrgäste ist”. 

Was kann ich tun? Heute die Petition unterschreiben und teilen. Je mehr Stimmen zusammenkommen desto mehr Rückenwind gibt es. Die Petition hat das Potential auf 800.000 Stimmen anzuwachsen (das sind 10% aller Menschen mit einer Behinderung in Deutschland) und wird einen Veränderungsprozess starten für zugängliches, barrierefreies und einfaches Bahnfahren. Es gilt, die Bahn dorthin zu bewegen, wo sie freundlich und entgegenkommend zu allen ist: ob mit Fahrrad, Koffer, Kind und Kinderwagen, Rollator, Rollstuhl, oder sonst wie unterwegs!

Rein und raus

Eine – unvollständige – Fotostory, wie mensch mit Rollstuhl oder Mobilitätseinschränkung einen Zug nutzt. Europaweit, weltweit.

Für Ideen und Hinweise gerne die Kommentarfunktion nutzen oder einen Tweet schreiben: @bahnfueralle

Japan

(Fast) stufenloser Einstieg, Bildquelle
Japanischer Zug von schräg vorne mit lang gestreckter Nase
Shinkansen / Bullet Train

Mehr: Shinkansen & Japan Rail Pass as a wheelchair user

China

Ausschnitt Rollstuhl im Viererabteil
Mit Rollstuhl im 4er Abteil im Nachtzug zwischen Shanghai und Peking (2009)
Ein- und Ausstieg erfolgte stufenlos und ohne fremde Hilfe.

Mittlerweile scheint der Bullet Train auch in China zum Einsatz zu kommen, mehr: High-Speed Train in China (Bullet Train)

Schweiz

Zug mit Niederflureinstieg und kleiner Brücke zum Schließen des Spalts zwischen Zug und Plattform.
Der erste „einstöckige Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug“ von Stadler mit Namen Smile. (mehr). 
Innensicht. Höhenausgleich durch eine etwa 2-3 Meter lange Rampe.
NIederflur für unterschiedliche Bahnsteighöhen (55 cm und 76 cm). Höhenausgleich durch Rampe von innen. (Quelle)

Belgien & Niederlande

Deutschland

Hublift vor ICE
Reisen im Fernverkehr mit Deutscher Bahn (ICE, IC, EC) geht nur mit Hilfe und mit 24h Voranmeldung

Österreich

Eurostar