„Ich darf Sie nicht mitnehmen“

Kein Einstieg für Rollstuhlfahrer in Regionalbahn in Bad Malente trotz bestätigter Anmeldung

“Ich darf Sie nicht einladen! Fahren Sie eine Station weiter nach Eutin. Dort steigen Sie aus und fahren wieder zurück!” sagt der Zugführer im DB Regio in Schleswig-Holstein.

Was steht an?

Ein Wochenendausflug wird geplant mit Tochter (6 Jahre). Minutiös, da die Bahn (DB Regio/ Nah.SH) selbst im Nahverkehr keine Barrierefreiheit ermöglicht und Hilfsbedarf 48 Stunden vorher angemeldet werden muss, denn es gilt auf der Strecke kleinere und größere Barrieren zu überwinden.

So, geht es in Kiel über einen größeren Spalt zwischen Zug und Bahnsteig noch halbwegs rüber. In Bad Malente beim Ausstieg gibt es eine Stufe beim Ausstieg auf der einen Seite, auch nicht schön, aber irgendwie machbar. Doch auf der anderen Seite sind es gleich drei Stufen beim Einstieg. Hilfe beim Einstieg ist also wichtig, wenn mensch mit Rollstuhl unterwegs ist und die Bahn kein zueinander passendes Material einsetzt (Züge, die zur Bahnhöhe passen).

Deswegen melde ich die Reise an (via HaSe natürlich). Die Bestätigung kommt einige Zeit später rein. Soweit alles gut. Und noch am Morgen vor der Reise schreibt die Bahn:

“Wir erinnern an Ihre Reise mit angemeldeten Hilfeleistungen am 07.11.2021 15:36:00 von Bad Malente-Gremsmühlen nach Kiel Hbf.”

Alles super, denke ich noch so bei mir! …

Fahrt mit Tücken – zwei Bahngleishöhen an einem Bahnhof!

Auf der Hinfahrt in Malente ist niemand beim Ausstieg und ich springe mit meinem Rollstuhl die Stufe herunter. Na gut, kommt vor. Ich verbringe einen schönen Tag bei meiner Familie.

Auf der Rückfahrt bin ich 20 Minuten vor Abfahrt am Bahnhof. Doch von der Mobilitätshilfsperson keine Spur: Vielleicht kommt er/sie ja per Zug aus Lübeck, überlegen wir. Denkste…

Der Zug fährt ein. Der Lokführer hält seinen Kopf aus dem Fenster und wirft mir entgegen: “Ich darf Sie nicht einladen! Fahren Sie eine Station weiter nach Eutin. Dort steigen Sie aus und fahren wieder zurück!”

Ich murmele noch was von: “Ich habe doch eine bestätigte, schriftliche Anmeldung…”, merke aber schnell, dass es ziellos ist, eine Diskussion anzufangen. 

Händisch rückwärts die Stufen hoch

Ich eile zur Einstiegstür und bemühe mich um den Einstieg. Erst die Tochter rein, dann die Taschen, dann das Adaptivrad (das kann ich an meinen Rollstuhl andocken, dann habe ich Fahrrad). Dann rückwärts an die Eingangstür. Mein Vater – mittlerweile auch keine 40 Jahre mehr alt…- steht bereit, mich über die Handgriffe in den Zug hinten hineinzuziehen. Ich greife rechts an die Stange, dann links und zusammen schaffen wir es rein.

Und mein Vater schafft es noch rechtzeitig raus, bis der Zug sich in Bewegung setzt.

Eine Bilderreise

Zug mit offenen Eingangstüren, Spalt wird überbrückt aber Stufe ist deutlich erkennbar
Ausstieg in Bad Malente. Spalt zwischen Zug und Platform wird toll überbrückt. Doch Einstiegshöhe passt nicht zum Gleis: eine Stufe rauf oder runter. Trotz Anmeldung: kein/e Mitarbeiter*in da, um über die Stufe zu helfen.
Kind winkt aus dem Zug.
Tschüß Bad Malente. Mit Ach und Krach in den Zug gekommen, nachdem der Zugführer uns begrüßte mit den Worten: “Sie kommen hier nicht mit!” Auf der einen Seite des Gleises gibt es eine Stufe in den Zug, auf der anderen Seite gleich drei Stufen!
Rampe über Spalt. Auf der Rampe steht der Zugführer. Nur die Füsse sind zu sehen.
In Kiel muss der Spalt händisch mit einer Rampe überbrückt werden. Warum eigentlich? Immerhin passt die Bahnsteighöhe zum Zugeinstieg.

Bahn-Admin

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